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whatisclimate.com

www.bernaerts-sealaw.com

www.arctic-warming.com

www.1ocean-1climate.com

www.seaclimate.com

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„Der Spiegel“ immer schnell dabei die Erwärmung der Arktis zu erklären.
Ist das gut genug? 

Hier
zur Diskussion gestellt am 15 April 2009

 Erneut ergab sich ein Grund für den SPIEGEL über die Arktis zu berichten (09 April 2009[1]):  Sie erwärmt sich durch den Klimawandel so stark wie kaum ein anderer Teil der Erde. Schon im Oktober hatte der SPIEGEL berichtet, das  der Temperaturanstieg in Arktis durch den Menschen verursacht worden sei. Dies hätten aufwendige Simulationen des Klimas ergeben, bei denen Wissenschaftler mit und ohne die CO2-Emissionen der Menschheit gerechnet haben.[2]. Dabei wird ignoriert, dass in der Arktis von 1919-1939 schon einmal eine Erwärmung stattgefunden hat, die viel rasanter verlief und vergleichbar hohe Temperaturwerte gehabt hat. Damals, im Jahr 1919, ereignete sich der markanteste Klimasprung seit es moderne Aufzeichnungen gibt. Müsste guter Journalismus dazu nicht Fragen stellen?

Die plötzliche Erwärmung der Arktis von 1919 – 1939  wurde zuerst auf  Spitzbergen registriert.  Dort, auf der einsamen Inselgruppe zwischen Nordkap und  Nordpol, explodierten Ende 1918 buchstäblich die Temperaturen. Dazu berichtet ausführlich das 2006 erschiene Buch: „Krieg verändert Klima – Der Seekriegeffekt“[3]. Schon 1930 sah der norwegische Wissenschaftler B. J. Birkeland[4] darin den größten Temperatursprung, der je gemessen wurde. Wäre es nicht für den SPIEGEL an der Zeit die Behauptungen der Wissenschaft mit Hinweis auf das Klimaereignis vor genau 90 Jahren zu hinterfragen? Kann man den heutigen Wandel in der Arktis verstehen und erklären, wenn man die dramatische Erwärmung am Anfang der letzten Jahrhunderts ignoriert?    

Muss sich nicht gerade der Journalismus diese Fragen stellen, wenn die Wissenschaft so wenig Interesse daran zeigt? Diese macht es sich damit bisher sehr einfach, indem sie dieses Ereignis als ‚natürliche Schwankung’ (natural variability) deklariert. Für viele Klimatologen ist die arktische Erwärmung noch immer eines der „geheimnisvollsten klimatischen Abweichungen des 20. Jh.“[5].  Das dies keineswegs der Fall, ist in dem 10 Seiten langem Aufsatz: „Lässt sich die plötzliche Erwärmung der Arktis vor 90 Jahren erklären?“ dargelegt[6] (HIER).  Danach hat sich eine Verschiebung in der Struktur des Spitzbergenstrom ergeben. Diese wirkte nachhaltig auf die Temperaturentwicklung ein.  Das Klima der Arktis wurde plötzlich wärmer. 

Für solche Fragen zeigt der SPIEGEL wenig Interesse. Wieder und wieder wird lediglich über den derzeitigen Forschungsstand berichtet, wie sich aus einer Auswahl von Berichten ergibt: 

28.10.2008, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,586980,00.html

17.10.2008, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,584706,00.html

19.08.2008, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,573042,00.html

05.02.2008, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,533167,00.html

15.09.2007, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,505951,00.html

15.03.2006, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,406113,00.html

Dabei könnte das Klimaereignis vor 90 Jahren viel zum Verständnis des Klimamechanismus beitragen. In der Arktis ist der direkte Einfluss der Sonne während der Wintermonate null und damit auch der vielfach  beschworene Einfluss des CO2. Der extreme Anstieg der arktischen Wintertemperaturen würde in der Klimadiskussion viel erklären. 

Siehe auch (in Englisch):  http://www.arctic-heats-up.com/

Als Buch erschienen: „How Spitsbergen Heats the World – The Arctic Warming 1919 to 1939“; BoD Norderstedt, ISBN 9782810602896, Seiten, 116, mit ca. 100 Farbgrafiken. 

  

 

[1] Der Spiegel; “Erwärmung der Arktis - Forscher machen Aerosole mitverantwortlich”, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,618408,00.html.   

[2] Der Spiegel, 31 Oktober 2008; “Klimasimulation -Erwärmung der Pole ist menschengemacht”; http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,587657,00.html,     

[3] Bernaerts, Arnd; 2006, BoD Norderstedt, S. 121. ISBN 3-833-6061-X 

[4] Birkeland, B.J.; ‘Temperaturvariationen auf Spitzbergen’, Meteorologische Zeitschrift, Juni 1930,  p.234-236. 

[5] Bengtsson, L., Vladimir A. Semenov, Ola M. Johannessen, The Early Twentieth-Century Warming in the Arctic—A Possible Mechanism, Journal of Climate, October 2004, page 4045-4057.