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Hansson & Omstedt zum Ostseeklima der letzten 500 Jahre

Oder

Ist alles, was in ‚natürlichen Grenzen’ abläuft, natürlich?

15. September 2008

Vor dem 2. Weltkrieg waren nach Hansson et al. (2007)[1] das 17. & 19 Jahrhundert im Ostseebereich die kältesten. In Dekaden gemessen, waren die beiden Jahrzehnte 1930 und 1730 die wärmsten in den vorausgegangenen ca. 450 Jahren, sowohl was die Wassertemperaturen wie die winterliche Seeeisausdehnung betraf, gefolgt von der 1990 Dekade[2]. Diese liegt nun schon fast 10 Jahre zurück und das Ende kam ohne jegliche Brisanz, gleitend und unbemerkt. 

 
Das war am Ende der 1930 Dekade ganz anders. Mit einem Paukenschlag brach innerhalb von vier Monaten der kälteste Winter seit über einhundert Jahren herein, mit der größten Eisdausdehnung seit ca. 1883. Siehe Grafik für nördliche Ostsee und Deutsche Küste. Bereits M. Rodewald wunderte sich, dass diese Änderung nicht durch ein langsames Abklingen, sondern aufgrund einer Zäsur der bisherigen Entwicklung eintrat[3]. Siehe auch den Referenz-Artikel.

Immerhin war es seit dem frühen 19. Jh. ständig wärmer geworden, das Auftauchen eines Winters vom Kaliber eines Extremwinters während der Kleine Eiszeit wird der Vorgang noch bemerkenswerter. Schon 1943 analysierte der schwedische Meteorologe Liljequist die kalten Winter in Stockholm seit 1757  und machte dabei die folgende Aussage (Auszug[4]): „Seit dem Beginn der Temperaturmessungen bis zur Dekade von 1931-1940 sind die Wintertemperaturen um rund 2 Grad C  ständig gestiegen. Dieser Trend ist besonders stark seit  Mitte des 19. Jahrhunderts. Milde Winter wurden die Regel.“ 

Was ist unter diesen Umständen die Aussage von Hansson et al. wert, wonach die Änderung in der Region nicht außerhalb der ‚natürlichen Grenzen’ während der letzten 500 Jahre lägen[5]?  Darf man unter solchen Umständen einen Klimasturz vom Ausmaß des Winters 1939/40 einfach ignorieren? 

Zum Klimasturz 1939/40 und darauf folgenden Klimawandel ausführlich in Referenz (Fußnote 4) und  http://www.seaclimate.com/.  AB/Sept2008 



[1] Hansson, Daniel and A. Omstedt;  2007, „Modelling the Baltic Sea ocean climate on centennial time scale: temperature and sea ice“, Climate Dynamics, p. 763-778

[2] Centennial time scale results indicate that the seventeenth and nineteenth centuries were the coldest centuries, while the 1690s were the coldest decade and 1695 the coldest year in the last 500 years. The results also indicate that the twentieth century was the warmest century with the least MIB (annual maximum ice extent) of the last 500 years. On a decadal time scale, the 1990s, 1930s and 1730s were the warmest decades and comparable in terms of both water temperature and MIB.

[3] M. Rodewald, 1948, „Das Zustandekommen der strengen europäischen Winter“, in: Annalen der Meteorologie, Heft 4/5, S. 97

 [4] Aus: „Krieg Verändert Klima – Der Seekrieg Effekt“, 2006, Norderstedt, S. 110.

 [5] Hansson op.cit: „this study cannot clearly state that the region is experiencing climate change outside the natural limits of the past 500 years“.